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Es gibt Unterschiede

in der Qualität der Beziehung zu Deinen Mitarbeitern.

So eine Frage macht erst einmal nachdenklich und wahrscheinlich – so ging es mir jedenfalls – musst Du jetzt einmal kurz über die Frage grübeln. Eine Beziehung zwischen Mitarbeitern und Führungskraft, die kann ja zunächst mal ziemlich lange dauern. Manchmal dauert sie ein halbes Leben oder fast so lange wie eine Ehe.

Und natürlich gibt es Unterschiede in der Beziehungsqualität. Nehmen wir mal an, Du bist Geschäftsführer eines Unternehmens und führst einen Betrieb mit 80 Mitarbeitern. Darunter wird es Menschen geben, mit denen Du enger zusammenarbeitest und solche, mit denen Du weniger eng arbeitest. Das ergibt sich ja schon einfach aus der Arbeitssituation. In Deiner Aufgabe als Geschäftsführer hast Du eben den meisten Kontakt zu Deinen Bereichsleitern, Abteilungsleitern und Deinen Assistenten. Und naturgemäß gibt es eben noch die anderen. Die, zu denen Du im Arbeitsalltag kaum Kontakt hast.

Beeinflussen Arbeitsabläufe

die Qualität der Beziehung untereinander?

Heißt das jetzt also, dass Arbeitsabläufe die Qualität der Beziehung bestimmen? Das würde bedeuten, dass die Qualität Deiner Beziehungen umso besser wäre, je öfter man sich begegnet.

Menschen, die in einer Abteilung arbeiten, eine gemeinsame Aufgabenstellung, einen gemeinsamen Vorgesetzten haben und vielleicht sogar dasselbe Büro teilen, entwickeln ein ausgeprägtes Wir-Gefühl. Wir sind Marketing. Wir sind Controlling. Wir sind Produktion. Und ganz schnell lässt sich Solidarität nach innen und Abgrenzung nach außen erkennen. Ist aber ganz normal. Wir sind der Innen-, ihr seid der Außendienst.

Die Bereitschaft, Konflikte einzugehen, ist außerhalb der eigenen Abteilung ausgeprägter als innerhalb. Die Leute in der Produktion gehören alle zur gleichen Abteilung. Und dann halten die erstmal zusammen. Und jetzt taucht da ein Problem auf in der Zusammenarbeit mit dem Qualitätsmanagement.

Es ist eine bewusste Entscheidung,

die Qualität der Beziehung zu bestimmen.

Ist die Beziehung von acht der zehn Mitarbeiter, die jeden Tag im selben Büro arbeiten, während die anderen beiden vorwiegend im Homeoffice tätig sind, intensiver? Und das, obwohl man inhaltlich vielleicht sogar mehr mit dem „anderen Lager“ zu tun hat? Ja, da gibt es dieses verbindende Element, die gemeinsame Adresse. Definiert sich die Gruppe über dieses Merkmal?

Ich weiß nicht, wie es Dir mit diesem Gedanken geht, aber in mir sperrt sich irgendetwas gegen diese Betrachtungsweise. Und zwar vor allem deshalb, weil dann die Beziehung zueinander nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung ist. Beziehungen würden also durch alle möglichen Dinge bestimmt, aber nicht durch meine bewusste Entscheidung?

Fünf Stufen,

um die Qualität der Beziehung zu unterscheiden.

Betrachte das mal aus Deiner Rolle als Führungskraft. Spätestens dann kannst Du diesen Satz auf keinen Fall gelten lassen. Eine Beziehung muss immer das Ergebnis einer bewussten Entscheidung sein. Man trifft eine bewusste Entscheidung durch die Art und Weise, wie man sich verhält.

In der Beziehung zwischen Mitarbeitern und Führungskraft kann man fünf Stufen dieses Verhaltens unterscheiden. Diese Stufen bauen aufeinander auf. Eine höhere Stufe kann nur in Angriff genommen werden, wenn die anderen Stufen darunter erreicht wurden.

Freundlichkeit

ist die erste Stufe und Grundlage des Miteinanders.

Erste Stufe: Freundlichkeit

Manchmal werden andere Begrifflichkeiten oder Synonyme verwendet. Die einen nennen es Höflichkeit, die anderen nennen es Wertschätzung. In jedem Fall beschreibt es eine Art Grundlage des Miteinanders. Wenn Du jetzt Situationen vor Augen hast, in denen Chefs achtlos durch die Produktionshalle laufen, ohne  im Vorbeigehen die Menschen zu grüßen, die dort arbeiten, dann hast Du das richtige Bild. Ausnahme, denkst Du? Auf keinen Fall. Es gibt genügend Führungskräfte, die bewusst längere Wege in Kauf nehmen, damit sie ihren Mitarbeitern nicht begegnen müssen. In meiner Zeit als Banker ist es mir tatsächlich passiert, dass eine meiner Führungskräfte, die mich – ich war seinerzeit Filialleiter – besuchte, danach fragte, welchen Weg es aus der Bank denn noch gäbe – er wolle nicht durch die Schalterhalle laufen. So viel zum Thema „Freundlichkeit“. Vielleicht möchtest Du das auch in Anstand oder Respekt übersetzen. Für mich war der Begriff Freundlichkeit jedoch derjenige, der am stärksten das ausgedrückt hat, was ich meine.

Aufmerksamkeit

bedeutet, etwas zu merken, jemanden zu bemerken.

Zweite Stufe: Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit bedeutet, Menschen zu erkennen. Wenn Freundlichkeit bedeutet, einen Mitarbeiter zu grüßen, dann bedeutet Aufmerksamkeit, ihn oder sie mit Namen zu begrüßen: „Guten Morgen Frau Müller, guten Tag Herr Martin.“ Aufmerksamkeit bedeutet, etwas zu merken oder jemanden zu bemerken. Nicht einfach nur seine Existenz, sondern vielleicht ist es die Frage „Wie läuft es in der Produktion?“ oder „Wie geht es Ihrem Sohn? Sie hatten doch erzählt, dass er sich beim Klettern den Arm gebrochen hat?“ Solche Dinge mögen sich vielleicht als Kleinigkeiten abtun lassen, sind aber genau die Dinge, die etwas über die Qualität der Beziehung zwischen Menschen aussagen. Vielleicht ist es die neue Frisur Ihrer Assistentin, vielleicht bemerkst Du den sorgenvollen Blick einer Deiner Kollegen. Wie wichtig es ist, dass Du Dich dafür ehrlich und aufrichtig interessierst, wurde in diesem Blog schon an anderer Stelle (hier geht’s direkt zu dem Beitrag) erwähnt.

Zeit ist ein Geschenk

und wird auch so empfunden.

Dritte Stufe: Zeit

Das rarste Gut in der Position als Führungskraft. Hast Du einen bestimmten Rhythmus mit Deinem Team vereinbart, um mit ihnen zu kommunizieren? Das mag ein Meeting oder ein Einzelgespräch sein. Zeit gehört zu den wertvollsten Geschenken, die Du einem Menschen machen kannst. Das gilt für Deine Mitarbeiter ebenso, wie für Deinen Lebenspartner oder Deine Kinder. Zeit ist ein Geschenk und wird auch genauso empfunden. Selbst, wenn das banal klingt, im Sinne von „ja ist doch logisch“: Gemeinsam verbrachte Zeit hebt eine Beziehung definitiv auf ein anderes, ein höheres Niveau.

Empathie

wird mit Vertrauen vergütet.

Vierte Stufe: Empathie

Empathie ist ein bisschen wie ein guter Deal. Gehst Du mit Empathie und ernsthaftem Interesse auf einen Menschen zu, dann wirst Du Vertrauen ernten. Vertrauen ist die Währung, in der Empathie vergütet wird.

 

Fünfte Stufe: Interaktion

Das aufeinander bezogene Handeln von mindestens zwei Menschen. Da gibt es also zwei Menschen, die etwas miteinander tun. Vielleicht reden, vielleicht handeln, vielleicht beides. Das eigene Handeln findet immer unter Berücksichtigung des anderen statt. Darauf basiert jede zwischenmenschliche Beziehung. Eine Partnerschaft, eine Ehe, eine Beziehung zwischen Mitarbeiter und Führungskraft. Auch die Delegation von Aufgabe und Verantwortung ist eine Interaktion zwischen zwei Menschen. Heißt ja auch nicht umsonst Führungsinteraktion.

Du entscheidest aktiv,

welche Qualität Deine Beziehungen haben.

So einfach war das, denkst Du jetzt? Nicht ganz, denn es fehlt noch das Entscheidende: Deine bewusste Entscheidung. Die bewusste Entscheidung, bis zu welcher Stufe Du eine Beziehung zu einem anderen Menschen eingehen willst.

 

Als Führungskraft kannst Du Dich entscheiden, zu all Deinen Mitarbeitern freundlich zu sein. Das ist eine aktive Entscheidung. Du entscheidest Dich bewusst, Deinen Mitarbeitern Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken oder eben nicht. Du entscheidest bewusst, einem Teil der Menschen, die Dir anvertraut sind, Empathie zu schenken und damit Vertrauen aufzubauen. Und mit einem weiteren Teil dieser Menschen wirst Du gemeinsam reden, handeln und gemeinsam eine Aufgabe lösen.

 

Wenn es eine Einsicht gibt, die ich aus diesem Verständnis gezogen habe, dann ist es diese: Beziehungen, die nicht über diese Stufen (Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Zeit, Empathie und Interaktion) entstanden sind und bewahrt werden, stehen auf sehr schwachen Füßen und zerbrechen bei der kleinsten Belastung.

 

 

Dieser Text erschien zuerst im Podcast „GUTE CHEFS – Der Führungskräfte-Podcast“ Nr. 78 unter dem Titel „Über die Qualität von Beziehungen – auf welcher Stufe stehen Sie?“ (Hier geht’s direkt zum Podcast)

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