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Dein persönlicher Resilienz-Zaubertrank:

Reflexion und Selbstwirksamkeit.

Aber erst mal von vorne: Was ist Resilienz überhaupt und was hat sie mit Führung zu tun?

Raffael Kalisch beschreibt Resilienz als die Aufrechterhaltung oder schnelle Wiederherstellung der psychischen Gesundheit während oder nach Widrigkeiten. Resilienz ist ein dynamischer Prozess. Sie beschreibt vor allem die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen.

Das Wechselspiel

zwischen Schutzfunktionen.

Ich begleite seit über 13 Jahren Menschen im Coaching. Resilienz – explizit angesprochen oder nicht – spielt immer eine Rolle. Was ich am meisten mit Resilienz verbinde, ist innere Stärke und Gelassenheit, getragen durch Optimismus. Unsere inneren Schutzfunktionen richten sich immer auch an den äußeren Gegebenheiten aus. Zwischen inneren und äußeren Schutzfunktionen besteht ein Wechselspiel.

Du als Führungskraft:

  • bist wissensdurstig, alle Entwicklungen als erster zu durchdringen und voranzutreiben. Und dafür brauchst Du einen großen Handlungsspielraum.
  • bist ein wettbewerbsorientierter Mensch. Kritik nimmst Du immer wieder sehr persönlich (obwohl Du es eigentlich nicht tun willst). Es kann vorkommen, dass Du reflexartig dagegen Stellung beziehst oder Kritik sogar regelrecht bekämpfst.
  • begreifst dich selbst als eine Art modernen Robin Hood. Du willst die Welt verbessern.
  • stellst dich immer in die zweite Reihe und unterdrückst deshalb andere wichtigen Emotionen.
  • stellst (um der Sicherheit willen) die Beziehungsfähigkeit zurück.

Dein Maßstab für Resilienz,

durch die folgenden Kriterien.

In der Literatur werden sieben Kriterien für hoch-resiliente Menschen genannt. Diese sind nicht immer identisch. Ein Kriterium möchte ich dennoch hinzufügen:

  1. Emotionssteuerung / Impulskontrolle / Achtsamkeit
  2. Akzeptanz / Sinnfrieden und Loslassen
  3. Verantwortung übernehmen / Opferrolle verlassen / aktiv werden
  4. Netzwerkorientierung / Verbundenheit und Beziehungsfähigkeit aufbauen / Empathie
  5. Optimismus / Glaube an einen guten Verlauf
  6. Lösungs- und Zielorientierung / In Möglichkeiten denken / Kausalanalyse
  7. Zukunftsorientierung / Zukunft gestalten / Ziele setzen
  8. Selbstwirksamkeit / Selbstbewusstsein und Einfluss auf das Ergebnis

Die Zutaten

hast Du schon parat.

Schaue genau hin: Es ist alles schon in Dir. Setze dich und Dein Umfeld zueinander in Beziehung.

  • Erkenne Deine Stärken.
  • Verstehe Dein Umfeld.
  • Erweitere und nutze Deine Handlungskompetenz.
  • Sichere Dir die Unterstützung anderer.
  • Wer und wie bin ich? Was will ich? Was kann ich?
  • Passe ich zum Umfeld und zur Umgebung? Welche Unterstützung kann ich erhalten? Wer tut mir gut?

Besonders die letzten zwei Punkte verdienen dabei eine nähere Betrachtung.

Finde heraus,

wer Du bist.

Wer und wie bin ich?

Das Wichtigste ist erst einmal hinzuschauen, nachzufühlen und zu verstehen:

  • Was sind Deine Gefühle, Gedanken, Überzeugungen?
  • Wann geht es Dir gut, bist Du zufrieden, gelassen und glücklich?
  • Wo beginnt der Stress, wo entstehen Ängste, wann geht Deine Energie gegen null, wann fehlt Dir komplett Energie?

 

Die Einbeziehung der Persönlichkeitsdiagnostik (hier geht’s direkt zu meinem Beitrag dazu) und die Betrachtung der fünf psychologischen Grundbedürfnisse (Lustgewinn – Bindung – Selbstwerterhöhung – Orientierung und Kontrolle – Konsistenz) ist dabei enorm hilfreich. Ein oberflächliches „Darüberfliegen“ bringt an dieser Stelle nicht viel. Emotionen haben (ob wir wollen oder nicht) einen starken Einfluss auf unser Denken und Handeln. Die Frage ist eher, ob sie uns bewusst sind oder nicht. Alles was für Dich selbst ineffizient, sinnlos und stressig ist, macht verletzlich. Und das ist das Gegenteil von Resilienz.

Ergründe,

was Du willst.

Was will ich?

Entscheidend sind klare Ziele, die auch unabhängig vom kritischen Feedback anderer Bestand haben: Das Bewusstsein, dass Du nicht Opfer, sondern Schöpfer Deiner Welt bist. Erst der klare Fokus, die Ausrichtung auf Deine eigenen, passenden und reflektierten Ziele schaffen das Fundament. Das Fundament, um das, was Dich ausmacht, entfalten zu lassen. So ist auch eine Entscheidung für oder gegen etwas möglich. Eine wichtige Voraussetzung für die Selbstwirksamkeit ist dabei:

Love it, change it or leave it.

Stelle fest,

was Du kannst.

Was kann ich?

Dein Rucksack ist mit fachlichen und persönlichen Kompetenzen gefüllt, die Dir nicht immer bewusst sind, da sie häufig als selbstverständlich angenommen werden. Hier lohnt es sich, hinzuschauen.

Gleichzeitig ist auch Deine kognitive (Intelligenzquotient) und emotionale Intelligenz (Emotionsquotient) von Bedeutung (hier haben wir einen Beitrag darüber geschrieben). Forschungsergebnisse zeigen, dass emotionale Intelligenz für ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Leben bedeutsamer ist, als rationale, kognitive Intelligenz. Selbstwahrnehmung ist einer der wichtigsten Faktoren emotionaler Intelligenz.

Alle Bereiche

sind eng verwoben.

Um einen klaren Weg zu schaffen, ist ein weiterer Blick wichtig: Alle drei Bereiche „Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich?“ sind eng verwoben und formen Deine spezifischen Denkstile. Das Entscheidende sind nicht die Tatsachen, sondern wie wir die Dinge sehen und wie wir sie mit zu uns passenden Handlungskompetenzen angehen.

Deine Handlungen

stehen im Wechselspiel mit Deinem Umfeld.

Wie passe ich zu meinem Umfeld? Passt mein Umfeld zu mir?

Deine Haltung und im besonderen Maße Deine Handlungen stehen im Wechselspiel mit Deinem Umfeld. Wir interagieren, d.h. kommunizieren und stellen Verbindungen her. Was willst oder musst du beachten und im Blick behalten?  Was passt zu Deinem eigenen Wesen, Deiner Rolle und der anstehenden Situation?

In Deiner Rolle als Führungskraft geht es beispielsweise darum, Mitarbeiter in Veränderungssituationen zu begleiten. Dabei sind unterschiedliche Rollen entscheidend, um die Resilienz Deiner Mitarbeiter zu fördern. Du musst diese vier Rollen einnehmen:

  • Zuhörer: Verständnis für die Empfindungen, Sorgen und Gedanken der Mitarbeiter aufbringen
  • Kommunikator: Mitarbeiter über Veränderungen, Trends und Informationsquellen informieren
  • Motivator: Mitarbeiter dazu ermutigen, Alternativen auszuloten, Entscheidungen zu treffen und an Entwicklungen teilzuhaben
  • Coach: Mitarbeiter zum Handeln und zur Effizienzsteigerung anregen

Selbst- und Fremdwahrnehmung

sind Schlüsselkriterien der Resilienz.

Jeder hat eine natürliche Tendenz, andere Menschen durch die Brille seiner eigenen Interessen, Wünsche und Motive wahrzunehmen, und ihre eigentlichen Bedürfnisse dadurch entsprechend misszuverstehen. Diese Neigung schafft die blinden Flecken in unserem Verständnis für andere – wie wir unsere Partner, Arbeitskollegen oder Mitmenschen beurteilen und ihre Handlungen einschätzen. Reflektierte Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sind Schlüsselfaktoren jeder erfolgreichen Zusammenarbeit.

Sie fördern Selbstakzeptanz und gegenseitige Toleranz, was sich positiv auf das Leistungsumfeld auswirkt. Hier besteht ein direkter Einfluss auf die Resilienzkriterien Netzwerkorientierung/Empathie und Selbstwirksamkeit.

Umgebe Dich mit Menschen,

die Dich unterstützen.

Welche Unterstützung anderer kann ich erhalten, welche Beziehungen tun mir gut?

Es heißt: Du bist die fünf Personen, mit denen du dich umgibst. Man sollte doch meinen, dass wir uns ganz natürlich zu den Menschen hinbewegen, die uns gut tun. Dazu gehört eine gute Selbstreflexion und häufig auch viel Mut. Auch in einem positiven, angenehmen, passenden Umfeld ist es wichtig, sich in den anderen hineinzuversetzen. Gerade im beruflichen Umfeld sind diese Fragen hilfreich:

  • Welche meiner Fähigkeiten und Kompetenzen sind gerade gefragt?
  • Welchen Mehrwert kann ich meinem Gegenüber stiften?
  • Womit kann ich ihn überzeugen, damit er mich unterstützt?
  • Was ist das Besondere an mir, das er erkennen sollte?
  • Welche meiner Stärken sollten bei ihm besonderes Gehör finden?
  • Wie kann ich beeinflussen, dass er mich positiv beurteilt, mir ein weiteres Gespräch / eine Aufgabe / einen Netzwerkkontakt anbietet?

Jedes Resilienz-Rezept

ist einzigartig.

Es gibt nicht das Allheilmittel für jeden. Dein persönlicher Zaubertrank macht nur Dich glücklich und gelassen. Der Trank entfaltet aber dann erst seine Wirkung, wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist. Wenn Du möglichst oft über Deine Komfortzone hinausgehst, um ein gutes Gefühl dafür zu entwickeln, was richtig für Dich ist.

Eine neue Haltung nimmt Zeit in Anspruch. In Krisen werden unsere neuronalen Strukturen deutlich schneller verändert. Wir lernen schneller. Einfacher und weniger schmerzhafter ist es, sich vorher damit auseinander zu setzen.

Bleib neugierig! Hab immer einen optimistischen Blick auf das Leben!

 

 

Dieser Text erschien zuerst auf der Website von Andrea.

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