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Persönlichkeitstests:

Unterhaltung oder Wissenschaft?

Es gibt da diese Frauenzeitschrift, die sich mit Veranstaltungen und ernsthaftem Journalismus durchaus einen Namen gemacht hat. Diese Zeitschrift verfolgt das Ziel, Frauen in Führungspositionen voranzubringen. So wirklich bekannt ist diese Zeitschrift aber durch ihre berühmt-berüchtigten Psychotests: „Bist Du kompliziert? Mache den Test!“

Du kannst Dich wild durch alle Aspekte Deiner Persönlichkeit, Beziehung und Deines Lebens testen. Du wirst in Dein tiefstes Inneres blicken und die Erleuchtung finden. Gut, bei besagter Zeitschrift steht vielleicht doch Deine Unterhaltung im Vordergrund.

In diversen Ausbildungsgängen und bei Auswahlverfahren werden jedoch seit langem Persönlichkeitstests angewendet und auf einem solideren Fundament basieren. So ist beispielsweise die Typenlehre nach Carl Gustav Jung zwar mehr als 80 Jahre alt, prägt aber heute noch viele der gängigen Tests.

Kategorien helfen,

die Eindrücke zu verarbeiten.

Wir Menschen brauchen Kategorien, um unsere Eindrücke einordnen zu können. Unsere Sinne nehmen am Tag Millionen einzelner Dinge wahr. Die Flut an Eindrücken, die jeden Tag auf uns einprasselt, macht eine vollständige Verarbeitung für uns unmöglich. Dasselbe gilt für Menschen, denen wir begegnen. Unser Gehirn hilft sich damit weiter, Menschen in Schubladen zu packen. Der ist nett, die ist intelligent – jene attraktiv, jener nervig (oder alles davon). Kategorien helfen dabei, die Reaktionen auf Menschen schnell festzulegen und wirken sich auf unsere Kommunikation miteinander aus. Kategorien schränken aber natürlich auch ein. Wir bleiben nicht offen genug dafür, auch (positiv?) überrascht zu werden.

Gehst Du aus Dir heraus,

oder bist Du zurückhaltend?

Eines der prominentesten Beispiele (vor allem aufgrund der häufigen Verwendung) ist das DiSG®-Persönlichkeitsmodell (das erklären wir Euch nächste Woche nochmal ausführlich). Die Popularität dieses Persönlichkeitsmodells gründet sich auf seiner Einfachheit in der Handhabung. Die Ausprägungen, die hier gegenübergestellt werden, sind „aus-sich-herausgehend“ gegen „zurückhaltend“ und „menschen-orientiert“ gegen „sach-orientiert“. Anhand von ausgewählten Adjektiven (welche am ehesten und am wenigstens auf Dich zutreffen) wird ermittelt, zu welchem Typ Du gehörst.

Lerne Dich kennen

und gehe bewusster mit Situationen um.

Die große Frage ist jetzt aber: Stimmt das, was dabei herauskommt? Die Antwort hierauf ist ein klares „Jein“. Teilnehmer am Test finden sich sehr oft in den Ergebnissen wieder. Die Einordnung in einen Typ erscheint passgenau und ist hilfreich: um etwas über sich zu erfahren und auch, um andere einzuschätzen. Wissenschaftliche Studien finden allerdings bei diesen Persönlichkeitsprofilen keinen Nachweis der Gültigkeit. Und genau hier liegt der Knackpunkt dieser Tests: Persönlichkeiten sind zu komplex, um sich in die einfachen Schubladen dieser Modelle stecken zu lassen. Andererseits ist die Befassung mit sich selbst (fast) immer hilfreich. Du denkst über Dich nach und gehst so in Zukunft bewusster mit Situationen um, die Du wichtig findest. Es hilft Dir, andere an diesen Kategorien zu messen und so besser zu verstehen, wieso jemand reagiert, wie er es tut.

Persönlichkeitsprofile

können Dein Team unterstützen

Warum ich Dir das jetzt so ausführlich beschreibe? Dieses Wissen kann für Deinen Arbeitsalltag eine echte Erleichterung darstellen. Stell Dir vor, ein Team kommt neu zusammen: Man kennt sich nicht wirklich, hat aber sofort gemeinsame Ziele (die voraussetzen, dass man sich gut kennt, sich vertraut und austauscht). Oder stell Dir vor, in Deinem bestehenden Team läuft es nicht so ganz rund. Hier können Persönlichkeitsprofile hilfreich sein. Bieten sie doch die Gelegenheit, die anderen zu verstehen, sich selbst zu positionieren und das eigene Denken und Handeln für andere greifbar und nachvollziehbar zu machen. Oder – der schönste Fall – Dein Team möchte sich weiterentwickeln. Eigentlich kennt man sich, aber die natürliche Distanz des Arbeitsalltags hat sich eingestellt. Man hinterfragt sich und die anderen nicht mehr, sondern nimmt die Marotten und Gewohnheiten hin. Gerade hier können die Persönlichkeitsprofile sehr unterstützen.

Die Wahrheit

liegt irgendwo dazwischen.

In der individuellen Führungsbegleitung kann es ein Baustein sein, gemeinsam mit Deinem Führungsbegleiter das richtige Profil auszuwählen (und dann auch zu nutzen). Als Führungsbegleiter habe ich mich mit den genannten (und den nicht genannten) Methoden intensiv beschäftigt. Und lass mich Dir sagen: Diese und andere Modelle können Dir helfen, Deine Ziele zu erreichen. Die Wahrheit über die Wirksamkeit liegt jedoch irgendwo zwischen Brigitte-Test und Allheilmittel.