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Fähigkeiten und Kompetenzen

einer Führungskraft

In letzter Zeit habe ich mich sehr intensiv mit Stellenanzeigen in Jobportalen auseinandergesetzt. Ich wollte wissen, welche Fähigkeiten und Kompetenzen man heute von Führungskräften erwartet. Bei den vielen Stellenanzeigen bin ich mehr als einmal über ein Wort gestolpert, das ich nicht erwartet habe.

Dieses Wort heißt Loyalität.

Dieser Begriff taucht als Anforderung in Stellenbeschreibungen auf (übrigens nicht nur auf Führungspositionen beschränkt). Ich habe diesen Begriff  in Stellenanzeigen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden, die nicht als Chefin oder Chef eingesetzt werden sollen. Spontan hatte ich dabei irgendwie ein ziemliches Störgefühl.

Um dieses Gefühl zu beseitigen, habe ich erst mal geschaut, ob mein Begriffsverständnis eigentlich stimmt. Also habe ich schnell mal Google und Wikipedia befragt. Gefunden habe ich folgende Definition: „Loyalität bezeichnet die auf gemeinsamen moralischen Maximen basierende oder von einem Vernunftinteresse geleitete innere Verbundenheit und deren Ausdruck im Verhalten gegenüber einer Person, Gruppe oder Gemeinschaft.“ (Quelle: Wikipedia)

Teamarbeit: Gemeinsam an einem Strang ziehen.
Teamarbeit: Gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wir wollen

einfach irgendwo dazugehören

Loyalität bedeutet also, dass ich durch das, was ich sage und tue, meine Verbundenheit zu einzelnen Menschen, einer Gruppe von Menschen oder einem Unternehmen bzw. einer Institution ausdrücke.

Eine Gruppe Menschen zum Beispiel, die gemeinsam ins Fußballstadion geht, um sich das Spiel ihrer Mannschaft anzusehen. Alle haben mindestens einen Schal in den Farben ihres Vereins an. Sie werden ihren Schal auch noch tragen, wenn die Mannschaft das Spiel verloren hat. Das ist Loyalität.

Wir haben über 98 % unseres Genoms mit Schimpansen gemeinsam. Schimpansen sind Herdentiere. Und genau wie Schimpansen wollen auch wir irgendwo dazugehören. Wir definieren uns über unsere Religion, sind evangelisch, katholisch, muslimisch oder jüdisch. Unsere Herkunft kann uns definieren, wir sind Ostfriesen, Niederbayern oder Schwaben. Wir definieren uns über unseren Bildungsgrad, sind Akademiker oder Arbeiter. Auch definieren wir uns über unsere Arbeit: Wir sind Schlipsträger, Weißkittel oder Blaumänner. Das Angebot ist schier unendlich, aber eine Tatsache bleibt: Wir definieren uns über unsere Zugehörigkeit zu anderen Menschen und Gruppen.

Und Loyalität, liebe Leser, ist ein freiwilliges Gefühl der Verbundenheit. Es ist ein Geschenk. Es ist keineswegs etwas, das man in einer Stellenanzeige von seinen Bewerbern fordern kann. Menschen bekennen sich freiwillig und aus einer inneren Überzeugung zu einem Unternehmen. Und nicht, weil es von ihnen erwartet wird.

Loyalität

funktioniert wie Vertrauen.

Wie kommt man überhaupt darauf, so etwas wie Loyalität einzufordern? Muss man Loyalität zu einer Einstellungsvoraussetzung machen, weil auf anderem Weg keine Bewerber anbeißen? Hast Du mal überlegt, was das für ein Bild auf das Unternehmen wirft?

Bist Du als Chefin oder als Chef so schlecht, dass Du Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Loyalität abverlangen musst? Also die Erinnerung an den Treueschwur – auch wenn alles andere in der Firma den Bach runtergeht. Ist das Produkt, das Du anbietest, so mies, dass Du Deine Mitarbeiter zwingen musst, Dein Produkt zu nutzen, anstatt ein anderes (vielleicht sogar viel besseres) zu kaufen?

Gut, Daimler schafft vielleicht eine Reihe von vergünstigten Angeboten für Konzernmitarbeiter, aber glaubst Du im Ernst, dass so viele Mitarbeiter bei Daimler Mercedes fahren würden, nur weil Sie müssen?  Glaubst Du, dass die technische Ausstattung bei Apple aus Apple-Produkten bestehen, weil Mitarbeiter dazu gezwungen werden? Oder glaubst Du, dass Apple-Mitarbeiter ihre Apple-Produkte aus Überzeugung nutzen?

Ich könnte die halbe Markenwelt der Unternehmen aufzählen – das Ergebnis wäre das gleiche: Menschen entscheiden sich aus Überzeugung und emotionaler Verbundenheit für eine Marke, für ein Unternehmen oder eine Institution. Ganz sicher nicht aus Zwang.

Loyalität funktioniert genauso wie Vertrauen. Vertrauen wird auch geschenkt und kann nicht per se erwartet werden.

Genau wie Vertrauen, kann man sich Loyalität auch nur verdienen. Führst Du als Chefin oder Chef Dein Team mit Anstand und Wertschätzung? Bist Du für Deine Mitarbeiter ein Vorbild in Sachen Integrität und Engagement? Sind die Anforderungen an Dich selbst genauso hoch wie die, die Du an Deine Mitarbeiter hast?

Lass diesen Quatsch

mit der Loyalität.

Wenn das so ist, dann bin ich mir sehr sicher, dass Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dir vertrauen. Und dieses Vertrauen, ausgedrückt in Haltung und Handlung, heißt? Richtig. Loyalität. Und wenn Deine Mitarbeiter Dir diese Loyalität erweisen, dann hast Du sie Dir wohl wirklich verdient.

Zum Schluss noch ein Rat an diejenigen, die die Stellenbeschreibungen formulieren: Lass‘ diesen Quatsch mit der Loyalität. Nutze lieber die Zeit und überlege Dir, was Du tun musst, um Dir Loyalität zu verdienen.

 

Dieser Text erschien zuerst im Podcast „GUTE CHEFS – Der Führungskräfte-Podcast“ Nr. 55 „Dieser Quatsch mit der Loyalität“  (Hier geht´s direkt zum Podcast)