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Teil 3/6
Eine von der Manpower Group durchgeführte Umfrage lieferte Ergebnisse, was eine gute Führungskraft ausmacht. In unserer sechsteiligen Artikelserie beleuchten wir die Antworten näher und geben konkrete Tipps und Tricks, die gleich in den Arbeitsalltag als Führungskraft integriert werden können. Thema heute: Zeigt Interesse an mir als Mensch.

Zeigt Interesse an mir

als Mensch, nicht nur als Mitarbeiter.

789. Das ist die Zahl der Berufstätigen, die von der Manpower Group zum Verhalten einer guten Führungskraft befragt wurden (hier geht’s zur Studie). Wer mit Antworten wie „mehr Urlaubstage“, „Gehaltserhöhung“ oder „Prämie“ rechnet, wird enttäuscht. Es sind die vermeintlich unspektakulären Eigenschaften einer Führungskraft, die dafür sorgen, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt. Regelmäßiges und ehrliches Feedback sind für 91% der Befragten eine wichtige Kernkompetenz ihrer Führungskraft. „Zeigt Interesse an mir als Mensch“ befanden rund 88 % der Befragten als sehr wichtiges Argument für Zufriedenheit im Job.

Mitarbeiterzufriedenheit

ist kein Speeddating.

Tag für Tag, Jahr für Jahr siehst Du Deine Kollegen und Mitarbeiter im Büro. Du kennst von jedem den Namen. Du weißt vielleicht sogar, wann sie ungefähr Geburtstag haben und ob sie an diesem Tag lieber Rohkostplatten oder Schokokuchen für alle mitbringen.

Du weißt, dass Gerda aus der Buchhaltung in vier Monaten in Rente geht und Günther aus dem Vertrieb letzten Sommer am Gardasee campen war. Du weißt sogar, welches Jahresgehalt Silke hat. Du weißt außerdem, dass Silke oft zu spät und Günther verdächtig häufig gar nicht kommt.

Das bedeutet, dass Du Interesse an Deinen Kollegen und Mitarbeitern hast. Sonst wüsstest Du all diese Dinge ja gar nicht. Oder?

 

Auch wenn Du Dich mit beiden immer gerne unterhältst, heißt das noch lange nicht, dass Du die beiden wirklich kennst.  Oder weißt Du auch, dass Silke oft zu spät zur Arbeit kommt, weil ihre Kinderbetreuung ausgefallen ist und sie spontan Ersatz suchen musste? Ist dir bekannt, dass Günther so oft auf der Arbeit fehlt, weil er eine (für Dich unsichtbare) chronische Krankheit hat, die ihn zur Bettruhe oder Arztbesuchen zwingt?

Genau da liegt die Krux: Oft denken wir bloß, dass wir unsere Mitarbeiter und Kollegen kennen.

Tag für Tag, Jahr für Jahr arbeiten wir mit diesen Menschen und doch wissen wir nicht, wer sie wirklich sind. Durch den ganzen Alltagstrubel und die gewohnten Abläufe haben wir einfach vergessen, genau zuzuhören. Dabei ist aufrichtiges Interesse am Menschen, und nicht alleine am Kollegen oder Mitarbeiter, ein Schlüsselfaktor für Mitarbeiterzufriedenheit. Das Gefühl, nicht nur eine Nummer oder ein Produktionsfaktor zu sein. Das Gefühl, gesehen und wertgeschätzt zu werden.

Im Grunde ist aufrichtiges Interesse zeigen wie ein Date mit dem oder der Liebsten. Man nimmt sich Zeit, man freut sich auf den Menschen, man möchte hinter seine Fassade blicken. Im Gegenzug beginnt man, mehr von sich selbst preiszugeben und man achtet selbst nicht mehr so penibel darauf, die eigene Fassade aufrecht zu erhalten. Man beginnt zu vertrauen. Und Dein Gegenüber beginnt Dir zu vertrauen. Das passiert nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Und genauso ist es mit Deinen Mitarbeitern und Kollegen.

Quelle: © freepik | freepik.com

Kannst schon so machen,

ist dann halt aber kacke.

Aber Achtung! Egal in wie vielen Kommunikations- und Rhetorikseminaren Du bereits warst: Keine Redewendung, kein Gesprächsmodell und keine Manipulationstechniken wirken so stark wie ehrliches und aufrichtiges Interesse. Kannst Du zwar schon so machen, ist dann halt aber kacke. So wie Hunde Deine Angst spüren, spüren Deine Kollegen und Mitarbeiter, wenn Du ihnen auswendig gelernte Sätze, die Interesse suggerieren sollen, aufsagst.

Als ersten Schritt empfehlen wir Dir, Dich in Dein Gegenüber hineinzuversetzen. Versuche zu verstehen, wer er oder sie ist, wie er oder sie fühlt und denkt. Versuche, mit folgenden Fragen zu erkennen, wer der Mensch hinter dem Mitarbeiter oder Kollegen ist:

  • Was ist Dir im Leben wichtig?
  • Was sind Deine wichtigsten Werte?
  • Wie lauten Deine lang- und kurzfristigen Lebensziele?
  • Was motiviert Dich, was demotiviert Dich bei der Arbeit?
  • Was sind Deine wichtigsten Motivationsfaktoren?
  • Wie zufrieden bist Du aktuell mit Deinem Leben?
  • Was müsste geschehen, damit Du absolut zufrieden bist?

Auch wenn es verlockend erscheint: Mach kein Verhör draus!

Begib Dich auf dieselbe Augenhöhe wie die Deines Mitarbeiters oder Kollegen. Erkenne, welchen Typ Mensch Du vor Dir hast. Es kann durchaus möglich sein, dass Du mit einem Mitarbeiter oder Kollegen aus der IT-Abteilung anders kommunizieren musst als mit jemandem aus der Marketingabteilung. Finde heraus, welcher der beste Rahmen ist, um Vertrauen aufzubauen und Antworten auf Deine Fragen zu erhalten. Beim einen ist es möglicherweise das jährliche Mitarbeitergespräch im geschützten Raum, während dem anderen vielleicht auch einfach ein kurzer Plausch zwischen Teeküche und Flur genügt.

Und schließlich ist es für Dich an der Zeit, etwas von Dir preiszugeben.